Die besten Bibliotheken in Wien / © Susan Yin
Dieser Text wurde ursprünglich auf waldviertler.wien veröffentlicht, ein Online-Magazin über das Leben in Wien von und für Menschen aus dem Waldviertel. Die Website seit April 2023 offline. Dies ist eine Archiv-Version.
Bibliotheken sind Allround-Instutionen. Sie eignen sich nicht nur zum Lesen und Stöbern, sondern auch hervorragend zum Lernen. Wien hat so einige Bibliotheken zu bieten. Wir haben die besten gesucht und gefunden.
Bibliotheken versprühen Magie. Wer eine Bibliothek betritt, findet sich in einem Mix aus intellektueller Spannung und Hogwarts-Atmosphäre wieder. Ein nahezu perfektes Umfeld für jede Bücherliebhaberin und jeden Bücherliebhaber. An kaum einem Ort liest es sich besser als in einer Bibliothek. Nicht nur das. Die Atmosphäre lädt auch sehr zum Lernen ein. In Bibliotheken herrscht nämlich Ruhe. Falls noch irgendwo zusätzliche Informationen hermüssen, ist man außerdem von tausenden Büchern umgeben. In irgendeinem dieser Bücher stehen die gesuchten Infos mit Sicherheit. Außerdem gibt es oft kostenloses WLAN.
Viele Waldviertler in Wien kennen nur die Stadt- oder Gemeindebücherei ihres Heimatsorts. Die größeren Bibliotheken in Wien sind aber ein völlig anderes Kaliber. Eine typische Gemeindebücherei und die Wiener Hauptbücherei etwa lassen sich nicht ansatzweise vergleichen. Dazwischen liegen Welten - genauso wie zwischen einem Dorf im Waldviertel und Wien bevölkerungsmäßig Welten liegen.
Die Auswahl an Bibliotheken und Büchereien in Wien ist groß. Wir haben nach den besten der Stadt gesucht und sind fündig geworden. Es sind nahezu perfekte Orte zum Lernen, zum Lesen oder einfach nur zum Stöbern.
Die Nationalbibliothek
Sie ist die wohl größte und umfangreichste Bibliothek in ganz Österreich: Die Nationalbibliothek. Und vielleicht auch die prunkvollste. Die Nationalbibliothek liegt direkt am Heldenplatz und ist einfach riesig. Gleichzeitig ist sie genau das, was sich jede und jeder unter einer Bibliothek vorstellt. Ein sehr hohes Gebäude mit genauso hohen, dunklen, hölzernen Regalen, die randvoll mit Büchern sind. An einigen Stellen dient eine Mischung aus Leiter und Treppe dazu, die Bücher ganz oben zu erreichen. Jeder, der schon einmal eine Filmszene gesehen hat, die in einer Bibliothek spielt, weiß was ich meine.
Die Nationalbibliothek: Josefsplatz 1, 1015 Wien / © Österreichische Nationalbibliothek
In den Regalen finden sich wissenschaftliche Schriften zu nahezu allen Themen. Außerdem gibt es großzügig angelegte Arbeitsplätze mit WLAN und Steckdosen in mehreren Lesesälen. Aber alle Achtung: Gegen Ende der Studiensemester – sprich in der Prüfungszeit – ist es randvoll. Bei dem Ambiente ist das allerdings kein Wunder.
Die Nationalbibliothek ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Tageseintritt kostet drei Euro. Wer plant, öfters hinzugehen, sollte sich vielleicht gleich ein Jahresticket zulegen. Das kostet nämlich 30 Euro. Spätestens nach zehn Besuchen zahlt es sich also schon aus. Das Entlehnen von Büchern ist möglich, allerdings ist das ziemlich kompliziert. Die Nationalbibliothek ist nämlich eine Präsenzbibliothek. Das heißt, die Bücher bleiben in der Regel im Gebäude. Zum Ausleihen braucht es einen Antrag und einen Entlehnausweis. Der kostet 30 Euro plus 80 Euro Kaution.
Wienbibliothek im Rathaus
Die Wienbibliothek ist die Landesbibliothek der Stadt Wien. Sie ist gewissermaßen die kleine Schwester der Nationalbibliothek. Die kleinere, etwas modernere Schwester. Die Wienbibliothek erinnert wie die Nationalbibliothek auch ein bisschen an ein Museum. Sie bietet gefühlte Unmengen an wissenschaftlichen Büchern und Schriften. Als Wienbibliothek ist sie aber etwas mehr auf Wien bezogen. Wer Informationen zur Stadt Wien und allem, was darum und darin passiert ist, sucht, der ist in der Wienbibliothek richtig.
Wendeltreppe in der Wienbibliothek: Felderstraße 1, 1082 Wien / © Wikimedia
Auch die Wienbibliothek besitzt einen großen Lesesaal, in dem es sich wunderbar stöbern und lernen lässt. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 9 bis 18:30 und freitags von 9 bis 16:30. Der Eintritt in die Wienbibliothek ist kostenlos. Wie die Nationalbibliothek ist auch sie eine Präsenzbibliothek. Eine Entlehnberechtigung gibt es nur im Ausnahmefall.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass im Wienmuseum alles wesentlich unkomplizierter ist, als in der Nationalbibliothek. Wer etwa für ein Studienprojekt nach einem bestimmten Buch oder Schriftstück sucht, der hat es im Wienmuseum oft leichter. Auch, weil in der Regel keine Kosten anfallen.
Hauptbibliothek der Uni Wien
Eingangs habe ich es bereits erwähnt, hier fühlt man es regelrecht: Das Hogwarts-Gefühl. Die Hauptbibliothek der Universität Wien ist ein echtes Unikat. Unter dem Licht grünen Bankerlampen und an alten, langen Holztischen im großen Lesesaal liegt zweifellos Magie. Es gibt wohl kaum einen schöneren Ort zum Lernen in Wien. Größen wie Stefan Zweig und Ludwig Boltzmann büffelten hier schon für ihre Prüfungen.
Die Hauptbibliothek der Uni Wien: Universitäts-Hauptgebäude, Universitätsring 1, 1010 Wien / © Wikimedia
Die Unibibliothek ist auch für Nicht-Studenten und Studenten anderer Universitäten frei zugänglich. In den Ferien ist sie zwar geschlossen, zu Semesterzeiten ist der große Lesesaal aber von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Mit Bibliotheksausweis können Bücher außerdem kostenlos ausgeliehen werden. Die u:card von Studierenden gilt als Bibliotheksausweis. Nicht-Studenten können einen beantragen. Die Konditionen sind online einsehbar.
Aber Achtung: Die Hauptbibliothek ist alles andere als ein Geheimtipp. Dementsprechend überrannt ist sie. Wenn du also vorhast, deinen Lernplatz dorthin zu verlegen: Sei früh genug dort. Hin und wieder zieht auch eine Touristengruppe mit ihren Fotoapparaten in der Bibliothek vorbei. Davon solltest du dich aber nicht stören lassen.
Hauptbücherei am Gürtel
Die Hauptbücherei ist die einzige „Bücherei“ auf dieser Liste und wohl auch die modernste Büchersammlung, die hier vorgestellt wird. So gut wie alle Bücher lassen sich im Rahmen eines vierwöchigen Entlehnungszeitraums ausleihen. Für den Zweifelsfall gibt es eine Verlängerungsmöglichkeit. Das Ambiente der Hauptbücherei lädt aber auch zum Lernen, Arbeiten, Stöbern und Verweilen direkt im Gebäude ein. Sie ist sozusagen eine Allround-Institution.
Wer eine Auszeit vom vielen Lesen braucht, kann über gefühlte 10.000 Stufen auf das Dach des Gebäudes klettern. Es bietet einen wunderschönen Blick über den Wiener Gürtel bis nach Favoriten. Auch ein Café, das Café OBEN, befindet sich hier.
Die Hauptbücherei ist von Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr geöffnet und samstags von 11 bis 17 Uhr. Solange du im Gebäude bleibst, ist der Besuch gratis. Beim Ausleihen fallen allerdings Kosten an. Die halten sich allerdings in Grenzen. Ein Buch vier Wochen auszuleihen, kostet vier Euro. Wer die Bücherei öfters nutzt, kann sich auch eine Jahreskarte um 30 Euro oder ermäßigt sogar um nur 9 Euro zulegen. Damit kannst du ein Jahr lang so viele Bücher, wie du möchtest, ausleihen.
Adresse: Urban-Loritz-Platz 2A, 1070 Wien
Lesesaal im MAK
Einige der genannten Bibliotheken haben am Wochenende geschlossen. Nicht so der Lesesaal im Museum für angewandte Kunst. Er sieht genauso aus, wie man sich einen Lesesaal im MAK vorstellt: Künstlerisch angehaucht, mit einem klarem Design und architektonisch gut geplant. Die Werke, die hier in den hölzernen Regalen stehen, handeln von Architektur, Design oder angewandter Kunst. An den vielen Tischen lassen sich natürlich auch andere Bücher lernen.
Der Lesesaal im MAK: Stubenring 5, 1010 Wien / © Lesesaal.at
Der Lesesaal ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt gibt es keinen. Außerdem bietet die Bibliothek gratis Internet und die Möglichkeit, eigene Dokumente gratis einzuscannen. Ausleihen lässt sich hier allerdings nichts.
Bibliothek der WU Wien
Zugegeben, wer nicht gerade an der WU oder andere Wirtschaftswissenschaften an der Hauptuni studiert, für den sind die Alternativen wohl die bessere Wahl. Allerdings bietet die Bibliothek im neuen Gebäude die größte Sammlung an wirtschaftswissenschaftlichen Büchern in ganz Wien. Wer sich also für BWL, VWL oder etwas Ähnliches interessiert, der findet hier mehr als genügend Quellen für eine Facharbeit. Zum Lernen eignet sich die WU-Bibliothek ebenso hervorragend.
Die Bibliothek der WU Wien: Welthandelsplatz 1 1, 1020 Wien / © Wikimedia
Die Zeitreise in die Vergangenheit an der Bibliothek der Hauptuniversität wird hier durch eine Reise in die Zukunft ersetzt. Glasfassaden, einheitliche Linien und der in weiß gehaltene Stil lassen die Bibliothek wie ein Raumschiff aussehen. Wer das WU-Gebäude nicht kennt, wird überrascht sein.
Wie das bei Unibibliotheken so ist, ist auch die WU-Bibliothek von Studenten überlaufen. Einen Platz zu bekommen ist zumindest zu Prüfungszeiten also (sehr!) schwierig. Außerdem richten sich die Öffnungszeiten nach den Prüfungszeiten. Sie variieren von Woche zu Woche. Der Eintritt ist aber immer kostenlos. Die Bücher lassen sich zu einer – auf den ersten Blick ziemlich komplizierten – Reihe unterschiedlicher Konditionen kostenfrei ausleihen.
Also….
Wien hat eine beachtliche Auswahl an Bibliotheken. Mit der Hauptbibliothek hat Wien sogar eine der schönsten und ältesten Bibliotheken in ganz Europa. Wer einen Lern- oder Arbeitsplatz sucht, ist in den genannten Bibliotheken definitiv gut aufgehoben. Vor allem Studentinnen und Studenten. Ein Tipp ist auch die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien, die es nicht auf die Best-Of-Liste geschafft hat. Sie kommt nicht ganz an die genannten Bibliotheken heran, hat aber auch einiges zu bieten.